
Die Cusaner Correspondenz, kurz CC, ist eine Publikation, die in der Regel im Frühjahr und im Herbst erscheint. Jede Ausgabe befasst sich mit einem konkreten Thema, das im cusanischen Sinne aus vielen wissenschaftlichen oder auch persönlichen Blickwinkeln betrachtet wird. Außerdem finden aktuelle cusanische Projekte, Potraits und Initiativen ihren Platz. Im Archiv sind viele Ausgaben der letzten Jahre online verfügbar.
Die Redaktion steht für jeden offen: Hier werden zum Beispiel Themen erdacht, Beiträge gesammelt und sortiert, Layouts geschraubt oder es wird auch selbst fotografisch oder textlich Hand angelegt. Aber auch im Kleinen kann jeder und jede ein Teil der nächsten CC werden: Egal ob Erfahrungsbericht, Aufsatz, Kommentar, Lyrik, Fotos ... Die Redaktion freut sich über Beiträge jeglicher Art, die die CC zu dem machen, was sie am Ende ist. Sie ist über cusaner-correspondenz«a»cusanus.net zu erreichen.
Wir sehen jetzt durch einen Spiegel
in einem dunklen Wort.
Diese Worte aus dem 1. Brief des Paulus an die Korinther (1 Kor 13, 12 – Übersetzung Martin Luther), deren Strahlkraft Jostein Gaarder dazu veranlasste, einen seiner Romane mit ihnen zu betiteln, kann man sich sehr gut als Auftakt zur Beschreibung eines Zugangs zu einer anderen, verborgenen Parallelwelt vorstellen.
Doch gibt es nur diese Art von Parallelwelten, die im Dunklen oder Irrealen liegen und nichts mit dem eigenen Alltag zu tun haben? Wer schon einmal aus einem besonders plastischen, realitätsnahen Traum erwacht ist, wird diese Frage kurz nach dem Verlassen dieser Traumwelt nur schwer mit „ja“ beantworten wollen. Wer sich eben noch in der virtuellen Welt von Facebook und Co. bewegt hat, kann es kaum. Welche Parallelwelten sind euch in eurem beruflichen, sozialen oder privaten Leben begegnet? Was habt ihr als Parallelwelt erfahren, die eigenen Gesetzen und Regeln folgt? Was macht eine Parallelwelt überhaupt zu einer solchen? Unter welchen Umständen hat der Ausspruch: „Der lebt doch in einer anderen Welt“, eine Berechtigung?
Diese Fragen möchte die kommende Ausgabe der Cusaner Correspondenz mit eurer Unterstützung aus möglichst vielen unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten: Von einem medienkritischen Standpunkt aus etwa ruft die Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Parallelwelten“ die Frage hervor, ob es nicht häufig die Medien sind, die mit den in ihrer Berichterstattung gesetzten Schwerpunkten ein Abbild der Realität zeichnen, das diese zu einer Art Parallelrealität verzerrt. Auch in der Kunst haben Parallelwelten ihren festen Platz, auf deren literarische oder fotographische Umsetzung oder deren Analyse durch euch wir uns schon jetzt freuen. Der naturwissenschaftlich-physikalisch interessierte Leser und hoffentlich bald Autor weiß vielleicht von Erkenntnissen und Hypothesen der Quantenmechanik zu berichten oder von Theorien rund um Paralleluniversen und den viel besungenen Urknall. Doch nicht nur im „Großen“, sondern gerade auch im ganz „Kleinen“ – so lehrt uns die Biologie – kann man auf Parallelwelten treffen, etwa die der Mikroorganismen zu Land und im Meer.
Aus psychologischer Sicht drängt sich vor dem Hintergrund einer vielschichtigen Wirklichkeit in diesem Zusammenhang die Frage auf, wann ein persönlicher Zugang zur Realität „irreal“ wird, wann sich die Sichtweise eines Menschen auf die Welt so verschiebt, dass sie „verrückt“ ist oder wann die oft so verlockende Tagträumerei zur bedenklichen Flucht aus der Realität wird. Unter soziologischen Gesichtspunkten ist es vor allem das Phänomen einer Parallelgesellschaft, die sich in einem – durch welche äußeren Gegebenheiten auch immer – umgrenzten System herausbilden kann. Besonders greifbar wird dies vielleicht bei einem Besuch in einer Strafvollzugsanstalt, doch auch das Innenleben von Geheimzirkeln, Klöstern oder Vereinen kann ein interessanter Untersuchungsgegenstand unter diesem Aspekt sein. Bietet nicht auch das Cusanuswerk seinen Stipendiaten letztlich eine Art von Parallelwelt, deren besondere Lebenswirklichkeit etwa auf den Ferienakademien erfahrbar und spürbar wird und häufig noch nach der Rückkehr in die gewohnte Alltagswelt nachwirkt?
Nun seid ihr gefragt. Lasst uns nicht in dem Glauben, dieses Thema sei allein in der Parallelwelt, in der sich die Redacction der Cusaner Correspondenz vielleicht befinden mag, von Interesse. Wir sind gespannt auf eure Erfahrungen mit und Sichtweisen auf Parallelwelten unserer Zeit.
Eure Redacction